gitarrist
Foto: Christian Schmid

Star-Gefühl

Rami, der Gitarrist

Bei Rami waren es „The Kooks“: „Ich habe vor zweieinhalb Jahren einen Song von ihnen gehört, ‚She Moves In Her Own Way‘“, sagt er und grinst schief, „in diesem Moment wollte ich nichts dringender als dieses Lied nachspielen können. Also habe ich einfach angefangen, Gitarre zu lernen!“

Klingt simpel. Ist es im Prinzip auch, denn die wichtigste Regel, wenn man Gitarre lernen will, ist: einfach mal anfangen und es gut finden. „Denn es klingt immer irgendwie, wenn man Saiten zupft und Griffe probiert“, sagt Rami. Und man merkt ziemlich schnell, ob man genügend Lust hat, um später auch mühevoll richtige Griffe, Akkorde und Harmonien zu lernen.

Rami hatte Lust, das war klar. Und eine Menge Talent gleich dazu: Mit fünf schon hatte er angefangen, Klavier zu lernen. Und seit er acht ist, singt er in der Kinderoper. „Musik“, sagt er, „ist einfach mein Leben!“ Und er weiß auch, dass er sie gern einmal zu seinem Beruf machen möchte. Das wissen nicht viele, die gerade 16 geworden sind.

Heute lernt Rami einen echten Profi kennen: Sven Waje ist 44 und Gitarrist bei der schwer erfolgreichen Hip-Hop-Band Fettes Brot. Sie treffen sich im Gitarren-Paradies: Bei „No. 1 Guitar Center“ in Hamburg-Altona stehen und hängen Hunderte von diesen Instrumenten in allen Formen, Farben und Preisklassen. Rami ist total fasziniert und schnappt sich eine dunkle, glänzende Akustikgitarre. Und er fragt Sven, wie er denn angefangen habe. „Ich hatte mit zwölf meine erste Stunde“, sagt der, „und habe danach zu meiner Mutter gesagt: Ich werde das beruflich machen.“ Offenbar sind Gitarristen sehr zielstrebige Menschen. Sven erzählt, dass er das Spielen ganz klassisch gelernt hat: ein Gitarrenlehrer, ein paar Lehrbücher. So machen es auch heute viele Anfänger, und es ist ein guter Weg, weil man sofort die Grundlagen lernt. Rami hat aber nie Geld für einen Lehrer gehabt. „Es gibt viele Seiten im Internet, auf denen die Griffe für ganze Lieder gezeigt werden“, sagt er, „so habe ich gelernt, was ich heute kann. Und durch gutes Zuhören, durch Herumexperimentieren.“ Klar, dass ihm seine Vorbildung als Sänger und Pianist geholfen hat. Rami ist gut. So gut sogar, dass er selbst schon zwei Schüler hat, denen er das Spielen beibringt – ohne je selbst einen Lehrer gehabt zu haben! Dabei, findet der Profi Sven, ist Rami nun an einem Punkt, an dem er ganz gut einen gebrauchen könnte. Er schaut dem Jungen eine Weile zu, dann sagt er: „Du spielst sehr sauber, aber man merkt, dass niemand mit dir -Harmonielehre gemacht hat.“ Denn was Rami da spiele, sei für den Hausgebrauch okay. „Aber du brauchst jetzt jemanden, der deinen Horizont erweitert, der dir ungewöhnliche Griffe zeigt und die Möglichkeiten, gute Akkorde noch besser klingen zu lassen.“ Er greift nach einer E-Gitarre und spielt einen von Ramis Akkorden nach – nur der kleine Finger ist um ein Bund versetzt. Es klingt satter, voller – „irgendwie besser“, sagt Rami.

Die beiden sehen sich weiter um in dem Laden. „Die hier hätte ich gern“, sagt Sven: eine elektrische Gibson-Gitarre, sie kostet 3000 Euro! Ist das denn auch die beste hier? „Das kann man überhaupt nicht sagen“, erklärt Sven, „das ist eine reine Geschmackssache. Jede Gitarre hat ihren eigenen Sound, und vielleicht findet man, dass ein Fender-Nachbau für 300 Euro am besten klingt.“ Rami sagt, dass er gar nicht so sehr auf E-Gitarren steht. „Ich mag die akustischen lieber“, sagt er, „der Klang ist schöner.“ Wie bei seinen Helden, Jason Mraz und Jack Johnson. Sven schüttelt sich ein bisschen und verzieht das Gesicht, er ist ein großer Fan von Jazz-Größen wie dem Gitarristen John Scofield oder dem Trompeter Miles Davis. „Wieso?“, fragt Rami, „ist doch toll, mit was für simpler Musik Jack Johnson so riesigen Erfolg hat.“ Da kann nicht einmal Sven widersprechen.

Und dann verabschieden sie sich, zwei, deren Leben die Musik ist. Und das Gitarrespielen. Ob Rami mal ein Popstar wird? Hm. Sven hat auf www.youtube.de „Rami Olsen“ eingegeben und sich ein paar Videos von Rami angesehen, die der dort hochgeladen hat. „Talent hat er ohne Frage. Dazu gehört aber auch viel Glück und Durchhaltevermögen, auch ich hatte Monate, in denen ich überhaupt nichts verdient habe“, sagt er. Und: „Wenn Rami wirklich besser werden will, muss er anfangen, auf andere zu hören.“

Das will Rami auch. Und hat sich deshalb gleich noch mal mit Sven verabredet, um zusammen zu spielen und zu fachsimpeln. Passiert ja nicht alle Tage, dass man von einem echten Popstar lernen kann.

Das braucht Ihr

Angenommen, ihr entscheidet euch in diesem Moment dafür, Gitarre zu lernen – wüsstet ihr, was man dazu braucht? Eine Gitarre, klar. Aber welche? Macht es einen Unterschied, ob sie akustisch oder elektrisch ist? „Eigentlich nicht“, sagt Sven Waje, der Gitarrist von Fettes Brot, „das ist in erster Linie eine Frage, was man lieber mag. Ich würde auf jeden Fall zur akustischen raten: Sie verzeiht weniger Fehler, und so lernt man mehr.“ Einsteigermodelle gibt es schon für unter 100 Euro. Solltet ihr aber doch mehr Lust auf eine E-Gitarre haben (Einstiegspreis circa 250 Euro) oder später zusätzlich eine haben wollen: Ohne Verstärker bringt die nix. Der sorgt für den satten Schrammel-Sound, für den man E-Gitarren liebt – und zum Üben gibt es welche mit Kopfhöreranschluss. Muss ja kein großer sein, ein 50-Euro-Modell tut es auch. (Der auf unserem Bild links kostet ein bisschen mehr.) Ziemlich hilfreich: der kleine silberne Kasten, der unten links zu sehen ist. Das ist ein Stimmgerät, damit könnt ihr eurer Gitarre schnell und einfach den richtigen Ton verpassen. Gute gibt es ab 25 Euro, das ist eine ziemlich sinnvolle Investition. Was braucht man noch? Einen Gitarrengurt, wenn man im Stehen spielen will. Und ein Plektron, ein dünnes Plastikblättchen, das man zwischen Daumen und Zeigefinger hält und das einem dabei hilft, die Saiten sauber anzuschlagen. Und für Fortgeschrittene: ein Multieffektgerät, wie es hier rechts zu sehen ist. Damit kann man verzerren oder Hall erzeugen.

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