Es war die Zeit der Ritter und Burgen, der Herren und Knechte, und täglich mussten die enschen ihr Überleben sichern. Zwei große Ausstellungen verführen in diesem Sommer zur Zeitreise ins Mittelalter. yuno bietet einen Vorgeschmack.
Bürgerhaus
In den meisten Häusern war die Küche der einzig geheizte Raum. Einen Kachelofen besaßen nur einige wenige, wohlhabende Bürger. Es gab nur einfache Möbel. Tische und Bänke estanden aus rohen Holzplanken. Man aß Hirse- oder Gerstenbrei aus einer gemeinsamen Schüssel. Da man noch keine Gabeln kannte, nahm man auch gern die Hand zu Hilfe. Holzlöffel wurden nach der Mahlzeit sauber geleckt.
Willkommen zum Markttag!
Am Computer hat unser Illustrator eine spätmittelalterliche Stadt nachgebaut. Sie zeigt einige typische Besonderheiten: die Burg, die oft auf Bergkämmen oder Felsen gebaut wurde; den Burggraben und die Stadtmauer, die gegen Angreifer schützen sollten; die große Kirche oder Kathedrale, die signalisierte, dass hier ein Bischof seinen Sitz hat; und schließlich die großen Fachwerkhäuser der Bürger, zumeist Kaufleute und Handwerker, die im Schutz der Stadt ihre Geschäfte betrieben. Im Vordergrund ist ein Stadttor zu sehen, durch das gerade ein Ritter und mehrere Händler die Stadt betreten. Sie sind auf dem Weg zum Markt, der die Bewohner des Umlands, aber auch Fernhändler anlockt. Märkte mussten vom jeweiligen Landesherrn genehmigt werden – dafür genossen die Marktleute aber auch seinen Schutz.
Gute Lage, gute Chancen
Auch nach der großen Pest um 1350, an der in Mitteleuropa etwa ein Drittel der Bevölkerung gestorben war, wuchsen die Städte weiter, weil die Landbe-völkerung sich hier
bessere Lebensbedingungen erhoffte. Am schnellsten entwickelten sich Städte, die verkehrsgünstig lagen: also an schiffbaren Flüssen (Köln am Rhein), flachen Stellen (= Furten, z. B. Frankfurt), in der Nähe von Mündungen großer Flüsse (Hamburg an der Elbe) oder an wichtigen egkreuzungen (Nürnberg). Viele Fernwege stammten noch aus der Römerzeit. Sie waren oft gepflastert und daher besser zu nutzen als unbefestigte Wege. Jenseits dieser ömerstraßen war das Verkehrsnetz eher schlecht ausgebaut. Bei Regen weichte der Boden auf, man blieb schnell im Schlamm stecken. Auch deshalb waren die Wasserwege wichtiger, als sie es heute sind.
Zünftig
Die Handwerker einer Berufsgruppe schlossen sich innerhalb einer Stadt zu Zünften zusammen, die nach eigenen Regeln arbeiteten und eine geschlossene Gruppe bildeten.
So konnte man besser die eigenen Interessen vertreten. Die Zünfte sie-delten sich oft in bestimmten Vierteln an. Im Zentrum der Stadt rund um den Marktplatz lebten meist die reichen Kaufleute. Die ärmeren dagegen bauten ihr Haus an der Stadtmauer – das sparte eine Wand.
Ummauert und doch frei
Die Bürger genossen besondere Privilegien. Sie unterstanden dem Recht ihrer Stadt – und damit nicht dem eines fernen Landesherrn. Das gab ihnen mehr Freiheit als den Untertanen auf dem Land. Kaufmanns-, Ehe- oder Strafrecht sowie eine eigene Gerichtsverfassung regelten das Zusammenleben innerhalb der Stadtmauern. Oft wurde an Markttagen Recht gesprochen und das Urteil öffentlich vollstreckt. Meist befand sich die Richtstätte jedoch außerhalb der Stadtmauern. Die Urteile waren hart: Geldbußen, auspeitschen, rädern, hängen, enthaupten, verbrennen, ertränken und lebendig begraben.
Revolution auf dem Acker
Seit dem achten Jahrhundert begann die Einführung der Dreifelderwirtschaft (im jährlichen Wechsel ein Acker Wintergetreide, ein Acker Sommergetreide, ein Acker Brache) und führte zu gesteigerten Erträgen. Jedoch erst die Erfindung des Ruderpflugs und des Kummets – des gepolsterten Holzkragens für Pferde, der die Zugleistung erhöhte – ermöglichten vom elften Jahrhundert an eine effektive Bewirtschaftung, insbesondere der schwer zu bearbeitenden
Böden Nordeuropas.
Lebensader Handel
Der Transport von Waren war für die Städte überlebenswi
chtig. Sie konnten sich in der Regel nicht selbst versorgen und waren daher auf Lebensmittellieferungen aus dem Umland angewiesen. Wertvolle Handelsgüter wie Salz, das man für die Konservierung von Nahrungsmitteln benötigte, kamen oft von weit her. Ansonsten wurden Nahrungsmittel wie Fisch oder Fleisch auch getrocknet oder geräuchert, um sie lange haltbar zu machen.
Leben auf engem Raum
Am Ende des Spätmittelalters, etwa um 1500, lebte in Mitteleuropa circa ein Fünftel der Menschen in ungefähr 4000 Städten, die von hohen Mauern umschlossen waren. Zum Schutz der Bevölkerung wurden nach Einbruch der Dunkelheit die Tore geschlossen und die Brücken hochgezogen. Das Leben fand hauptsächlich in den Straßen und auf Plätzen statt. Zentrum der Stadt war der Marktplatz mit dem Brunnen. Hier wurde nicht nur gehandelt und Trinkwasser geholt, hier wurden auch Neuigkeiten und Klatsch ausgetauscht. An Markttagen erfuhr man von fahrenden Kaufleuten Geschichten aus der großen weiten Welt und informierte sich über neueste Mode aus größeren Städten.
Schon damals gab es das Problem mit der Umweltverschmutzung. Gestank, Lärm und Rauch plagten die Menschen, die zum Beispiel den Inhalt ihrer Nachttöpfe einfach zum Fenster hinaus auf die Straße kippten. Überall lag Kot von frei herumlaufenden Schweinen. Gleichzeitig fraßen die Tiere den herumliegenden Unrat und Abfall.
Epidemische Krankheiten wie die Pest wüteten und waren kaum zu bekämpfen. Oft glaubten die Menschen, die Krankheit sei die Strafe Gottes für ihre Sünden. Oder sie machten die Juden verantwortlich und behaupteten, diese hätten das Wasser in den Brunnen vergiftet. Der Irrglaube führte in der Mitte des 14. Jahrhunderts in vielen Städten zur Vertreibung und Ermordung von Juden. In Wahrheit wurde die Beulenpest von auf Ratten lebenden Flöhen übertragen und die Lungenpest über die Atemwege.
Glauben und Wissen
Die Klöster spielten eine bedeutende Rolle beim Erhalt und der Weitergabe von Wissen, denn von jeher konnte man auf Klosterschulen lesen und schreiben lernen. Dies blieb meistens den Mönchen überlassen. In den Klöstern wurden alte Schriften nicht nur gelesen und diskutiert, sondern auch abgeschrieben, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Sie wurden aber auch kommentiert, sodass Historiker heute erforschen können, was die Geistlichen damals dachten. Immer wichtiger wurden vom 14. Jahrhundert an auch städtische Schulen,auf denen neben Latein auch Deutsch gelehrt wurde.
Symbol von Reichtum und Macht
Der Bau einer Kathedrale konnte einige Hundert Jahre dauern und kostete viel Geld. Er verschaffte mehreren Zünften wie zum Beispiel den Steinmetzen, Bildhauern oder Glasern für Generationen sichere Arbeit. Je höher sie in den Himmel ragte, desto mehr sollte die Kathedrale Gott zum Gefallen dienen. Bauherren waren Bischöfe oder andere Kirchenfürsten, die über die notwendigen Mittel verfügten. Sie konnten somit zeigen, dass sie mächtig waren und es mit den weltlichen Herrschern in deren Burgen ohne Weiteres aufnehmen konnten.
Machtzentrum Burg
Erst nach dem Jahre 1000 bauten sich die vornehmen Ritter und die Fürsten Burgen, so wie wir sie heute kennen. Doch gemütlich war es darin nicht: Die Küche war ein großer, von Ruß geschwärzter Raum. Über einem großen Holzfeuer briet man das Fleisch. Außerdem gab es auf jeder Burg eine Kapelle, wo der Gottesdienst abgehalten wurde, und einen Bergfried: einen hohen Turm, der das Bild der Burg beherrschte. Hier wurden Lebensmittel gespeichert. Bei einem Angriff konnten von den Wehrgängen über den Toren herab die Feinde an sogenannten Pechnasen mit heißem Pech übergossen werden. Oft wurden auch Plumpsklos in die Mauer gebaut.
Mit sieben Jahren kam der Sohn eines Ritters als Page oder Edelknabe auf eine andere Burg. Dort bediente er die Frauen, und wenn er konnte, las er ihnen auch vor. Mit 14 Jahren wurde aus einem Edelknaben ein Knappe. Nun durfte er auf die Jagd und mit in den Krieg reiten.
Erst mit 21 Jahren konnte er von seinem Herrn zum Ritter geschlagen werden. Danach bekam er ein Schild mit seinem Wappen, einen Helm und ein Schwert. Von nun an sollte er die Schwachen und Wehrlosen schützen. Er sollte seine Waffen nur für das Recht ziehen und in seinen Taten Gott dienen. Einen einzelnen Feind durfte er nicht zu zweit angreifen, sondern nur im Kampf Mann gegen Mann stellen. Besiegte Gegner sollten nicht gedemütigt werden. Noch heute werden Menschen, die nach den Idealen der Ritter handeln, als ritterlich bezeichnet.
Ganz schön heiß hier
Nur die Kemenate wurde ständig mit einem Ofen oder Kamin beheizt. Sie diente vor allem Frauen als Gemach, aber auch mächtigen Herrschern oder Rittern.
Es brennt!
Der Kampf gegen Brände ging jeden an. In den Städten mussten die Bürger jederzeit bereit sein zum Feuerlöschen und lederne Wassereimer oder Feuerpatschen zu Hause lagern. Letzteres ist eine Art Besen, mit dem man einen kleinen Brand „erschlagen“ kann. Zünfte konnten sich auch einen Löschwagen mit einer Pumpe leisten, das Wasser kam aus dem Stadtgraben oder speziellen Löschteichen. Wenn ein Feuer in den dicht bebauten Straßen nicht schnell genug gelöscht wurde, konnten ganze Häuserblöcke mit hoher Geschwindigkeit abbrennen.


