Was hier an einem der letzten Sonnentage im Herbst auf einem Sportplatz in Meerbusch bei Düsseldorf passiert, sieht erst mal merkwürdig aus: Da stehen sich Schüler gegenüber, fünf gegen fünf. Ein Junge ruft Wörter auf Deutsch und Englisch, die wie ein Geheimcode klingen: „Blau drei, quick snap!“ Und alle tragen Gürtel mit jeweils zwei Fähnchen um die Hüfte. Plötzlich wirft ein Junge einen eiförmigen Ball, und alle stürmen in verschiedene Richtungen los.
Flagfootball heißt die Sportart, die hier gespielt wird. Sie kommt aus den USA und stammt vom American Football ab. Nur dass man für diese Variante keinen Helm und keine Schulterpolster braucht – und man auch kein Muskelpaket wie Arnold Schwarzenegger sein muss. Denn beim Flagfootball wird der Gegenspieler nicht umgeruppt, um an den Ball zu kommen.
Fünf Angriffsspieler stehen fünf Verteidigern gegenüber. Sie heißen auf Englisch „offense“ und „defense“. Die Offense-Spieler versuchen, mit dem Football in die Endzone, den Torraum des Gegners, zu laufen. Oder den Ball dort zu fangen. Das nennt man Touchdown. Die Defense versucht, dem ballführenden Angreifer ein Band oder Fähnchen (englisch: flag) vom Gürtel zu reißen. Dann muss der Angreifer stehen bleiben, und der Angriffsversuch ist gestoppt.
Marc ist 13 Jahre alt und Quarterback bei den Meerbusch Eagles, so heißt seine Mannschaft.
Seit drei Jahren spielt er schon Flagfootball, und er schwärmt immer noch davon: „Das ist die Mischung aus Werfen, Fangen und Taktik, die so viel Spaß macht“, sagt er.
Als Quarterback ist er der Regisseur seiner Mannschaft. Er bestimmt, mit welchem Spielzug sein Team angreift. „Beim Flagfootball geht es nicht um Kraft, sondern vor allem um Taktik“, erklärt er und holt eine Mappe hervor. Die Mappe heißt Playbook und ist so etwas wie ein Programmierbuch seiner Mannschaft. Marc zeigt auf geheimnisvolle Kreise, Kreuze und Linien. „Das sind verschiedene Spielzüge, mit denen wir versuchen, die Verteidiger auszutricksen“, sagt er. Und weil davon der Gegner nichts mitbekommen soll, ruft er jetzt seinen Mitspielern seine Spielzug-Idee in einer Geheimsprache zu: „Blau drei!“
Das heißt, dass seine Mitspieler den dritten Angriff versuchen wollen, der in ihrem Playbook blau markiert ist. Und das wiederum heißt, dass zwei von Marcs Mitspielern, die Receiver (also: Ball-annehmer), zehn Schritte im Winkel von 45 Grad nach außen laufen sollen, damit dann einer von ihnen den Pass vom Quarterback abfangen kann. Das klingt erst einmal kompliziert. Kein Wunder, dass Football auch manchmal Rasenschach genannt wird. Doch so schwer ist diese Sportart gar nicht, erzählt Marc. „Keine Angst, man lernt es schnell. Und dann ist es einfach super, sich immer neue Taktik-Tricks auszudenken.“


